Fotoprojekt Die Ehemalige

Die immer noch neuen Bundesländer, die ehemalige DDR. Im Titel stecken Illusionen, Zuneigung, Trauer, Streit, Erinnerungen. Nachforschungen. Ich, ein Wessi aus Hamburg. Früher links gewesen, bin ich das noch?

Irgendwie kam mir der Gedanke, die Autobahn nur noch zu nutzen, wenn ich wirklich schnell von A nach B will. So kam ich nach Stendal.

Bei einem Besuch in Berlin fuhr ich an der Prenzlauer Allee an einem großen, alten, verkommenen Gebäude lang. Weil es so deutlich ein ehemaliges DDR Gebäude war, musste ich anhalten und traf zufällig einen Künstler, der dort arbeitete. Wir kamen ins Gespräch und er liess mich ein wenig fotografieren. Jetzt noch ein Danke schön dafür. Irgendwie typische Lost-Places-Aufnahmen, wenn das Gebäude nicht mitten in einem ehemaligen Stadteil von Berlin, Hauptstadt liegen würde. 30 Jahre später in einem verkommenen Zustand. Ich habe nicht den Eindruck, als ob Kunst, Kultur und Soziales einen hohen Stellenwert in Berlin hat, eher eine massive Demonstration, wie sehr die Überreste eines überkommenen Systems die Verkommenheit dieses Systems deutlich machen. Oder? Was macht das mit den Seelen der Menschen, von Westdeutschen, von Ostdeutschen?

Ich fuhr nach Marzahn mit dem Gedanken an sogenannte soziale Brennpunkte. Das scheint mir natürlich, aber es prägt auch Erwartungen, lässt die Bilder kommen, die zu den Erwartungen passen. Ein Mann im Gespräch: Ich wohne seit 50 Jahren hier. Gut lässt es sich hier wohnen, schön ruhig. Er musste dann weg. Wir gaben uns die Hand.

Warum? Lange Zeit fand ich die DDR gut. Gut, ohne sie wirklich zu kennen. Weil es leicht ist, an Illusionen zu glauben. Gründe, doch heute genau hinzuschauen. Dazu kommt, daß viele meiner Kollegen, Freunde und Bekannte einen mehr oder weniger starken Bezug zur ehemaligen DDR haben. Viele von ihnen werden immer noch als Ossies stigmatisiert. Von ihnen wird erwartet, daß sie die DDR einfach schlecht finden. Ein Gespräch über die DDR wird nur geführt, wenn sie mindestens einmal Abbitte tun.

Aus meiner bisherigen Art des Fotografierens sehe ich zwei Ansätze. 1.) Großstadtbilder, urbane Bilder. Das können natürlich auch kleinstädtische oder dörfliche Aufnahmen sein. Die sind wichtig, weil in Gebäuden auch Geschichte überdauert. Das beste Beispiel sind die normierten Plattenbauten, die heute noch im positiven Sinne als sehr funktional verstanden werden. Aber auch die großen funktionalen Bauten der früheren LPGs oder die früheren Kasernen. 2.) Straßenfotografie. Es wird von Vorteil sein, wenn ich meine Stärken mobilisiere. Neugier und Offenheit. Auf Menschen zugehen und zulassen, was passiert. Ist aber schwierig, hängt sehr von meiner Tagesform ab. In dieser Menschenfotografie liegt auch meine zentrale Motivation.

Meine Fotografie ist nicht objektiv. Weder objektiv noch vollständig. Ich werde mich auch um Realismus bemühen, aber die ehemalige DDR ist da, wo ich sie sehe.

Ich kenne das Land nicht. Ich kenne die Orte nicht, durch die ich fahre. Wie erkenne ich die nichttouristischen Ecken. Wie lange bleibe ich an diesen Orten? Also touristische Sehenwürdigkeiten oder aber Hotspots wie Bahnhöfe sind eher nicht meine Schwerpunkte. , die gut auch in einer westdeutschen Großstadt hätten aufgenommen sein können.

2 thoughts on “Fotoprojekt Die Ehemalige”

  1. Hallo Wilfried.
    Ganz gut auf den Punkt gebracht 🙂
    Spannend, weil ich noch nie so ein Thema bearbeitet habe und ich weiß, daß ich nichts weiß.
    Tiefgehend, weil es auch in mein Inneres geht. Als Person und als Fotograf.
    Ein wenig Unsicherheit ist wohl auch dabei.
    Danke für dein Vorbeischauen und deinen Kommentar.
    Ernst Wilhelm

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